Woerterbuch.jpgAusdrücke, Werkzeuge, Tätigkeiten, Hilfsmittel und Bezeichnungen in Solinger Platt aus der Schneidwaren-Industrie
gesammelt und erklärt von August Scheidtmann

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Buchstabe O


Ölkännschen: (Ölkännchen) Mit Öl gefüllt, dient es zur Schmierung von beweglichen Maschinenteilen.

Ölsteïn: (Ölstein)  Der letzte Abzug an Qualitätsklingen geschieht auf dem Ö. Hierbei werden die Klingen gegen die Schneide hin und her gezogen, wodurch der Schleifgrat vom Vorabzug entfernt wird. Durch Bestreichen mit Petroleum wird der Stein offen und scharf gehalten (darum Öl).

Oleg: (Öl) Wird  nicht nur zum Schmieren von Lagern  verwandt, sondern dient auch Rostschutzmittel, (muss säurefrei sein) indem rostende Teile mit einem Ölfilm versehen werden.

Olegspöttschen: (Öltöpfchen)  Töpfchen mit Öl und einem kleinen Pinsel. Es wird von vom Taschenmesser-Reider oft genutzt um Köpfe von Gängen nachzuölen.

Okuliermetz: (Okuliermesser) Messer für Gärtner zum Veredeln von Rosen und Obstbäumen, die z.T. mit einem Rindenlöser versehen sind. Diese befinden sich als eine scharf geschliffene Wölbung am Rücken der Klinge oder am unteren Ende des O. in Form eines herausragenden (30-40 mm) dünn geschliffenen, feststehenden Knochen- oder Messingstücks. Oft werden die Rindenlöser auch als zu öffnendes Teil eingebaut.

Ongendröcker: (Untendrücker) Ein- oder mehrteiliges  Jagdmesser mit einem feststehenden ®Kniep, der am unteren Ende ausgelöst und dann geschlossen werden kann ®(Schlutkniep).

Ongerdeïl, Soum, Söümken: (Unterteil, Saum) Beim Schmieden, Ausstanzen, Pressen, Prägen, Lochen usw. das Unterteil, auf dem das Werkstück aufliegt.

Öngergrawen: (Untergraben) Nach dem Antreiben des Wasserrades fließt das Wasser durch den Ö. wieder in den Bach oder die Wupper zurück.

op den Naal stellen: (auf den Nagel stellen) Die Becke, die der Scherenschleifer bekommt, sind vom Härter paargezeichnet ®(paarteïchnen).

op Leïsten fillen: (auf Leisten feilen) Heute nicht mehr verwendetes, kleines, gehärtetes rechteckiges Stahlplättchen (ca. 60x20x5 mm) mit einem Stift, vom Taschenmesserreider selbst hergestellt, nennt man Leisten. Korkenzieher, Klingengänge oder andere Teile, die zu breit sind aber ein genaues Maß erfordern, werden auf  L. gefeilt. Das zu feilende Werkstück wird mit dem Bohrloch auf den L. gesteckt, in den Schraubstock gespannt und bis auf den L. abgefeilt. Da der L. sehr hart ist, kann die Feile seine Form nicht verändern.

opgebogene Scheren: (aufgebogene Scheren) Bei Nagelscheren werden die Blätter vom Härter aufgebogen, also der Form des Fingernagels angepasst. O.S. erfordern beim Härten, Schleifen und Nageln große Fachkenntnis und Erfahrung ®(Naalscher).

Opneelslook: (Aufnietloch) Beim Taschenmesser Löcher in Erl und Schale, die mit einer Niete verbunden werden. Das Erlloch erhält auf der Unterseite eine Versenkung, in die  der Stift genietet wird. Somit kann sich Niete kaum mehr lösen.

Opneelsnaal: (Aufnietnagel) Bei Taschenmessern mit  ®Backen sind Aufnietnägel erforderlich, weil die Schalen um die Länge des Backens kürzer werden. Der Nietnagel ist aus Eisen, Messing oder Neusilber, meist ca. 1,6  mm dick.

opspannen: (aufspannen) Feder des Taschenmessers mit der Klinge im Schraubstock in Spannung bringen, und mit einem Nagel versehen. (®Klemm)

Oort: Altes Hohlmaß, 7 Liter. Nen Oort Kloren oder Fusel.

Oortspoon: (Schleifholz, Viertelstab) Klingen, die von Hand geschliffen und gepliestet werden, legt der Schleifer auf die Schleiflatte.O. genannt. Um ständig zu sehen, ob die Schneide die richtige Stärke hat, liegen die Klingen mit der  ®Wate nach oben und werden durch kleine Vorsprünge ( z.B. Stifte, Bruchstücke von alten Klingen oder ins Holz eingefeilte Kerben) gehalten. Der Schleifer kann hierdurch den Andruck der Klinge auf die Schleifscheibe verstärken, indem er den O. in beide Hände nimmt und die Ellenbogen auf den Knien abstützt. Beim Schliff sehr großer Klingen, benutzt der Schleifer eine Art Sitzleiter ®(Wittstohl), auf der er halb sitzt und halb steht. Seine Schienbeine und Knie sind mit einer angepassten Schutzvorrichtung ®(Kneeblotschen) aus Holz bedeckt, die auch dazu dient, mit den Knien starken Druck auf den Ortspoon auszuüben. Der O. wird von den Schleifern selbst hergestellt, indem sie abgelagerte Rundhölzer in zwei Hälften teilen.

Otter zeïgen: (Otter zeigen) Deftiger Scherz, den sich die Schleifer mit einem ortsfremden Kottenbesucher machten. Der Fremde wurde gefragt, ob er gern den Otter sehen wolle. Wenn der Gefragte das bejahte, solle er aus der Nähe in den Staubkasten schauen. In diesem Moment schaltete man den Motor ein,  ließ jedoch die Schleifscheibe rückwärts laufen. Durch die Kehrbewegung der Schleifscheibe wirbelte fürchterlicher Staub auf und dem neugierigen „Otterbeschauer“ ins Gesicht. Die andere Drehrichtung wurde dadurch bewerkstelligt, dass man den Treibriemen vorher heimlich über kreuz gedreht hatte.

Ougen: (Augen) Wenn am guten Taschenmesser die Backen vom Ausmacher abgepliestet und poliert sind, dürfen die Nieten nicht mehr zu sehen sein. Das gleiche gilt auch für Messer mit rostfreien Schalen. Sollten die Nieten noch zu erkennen sein, so spricht man von nicht erwünschten O.

Ougen: (Augen) Bez. für die Haltegriffe der Scheren, durch die beim Gebrauch Daumen und Zeigefinger gesteckt werden. Es gibt verschiedene Benennungen, wie z.B. runde, lange, gerade, schiefe, verdrehte, Drahtaugen.

Ougenpliester: (Scherenausmacher) Der O. pliestet die Augen  auf der Außenseite (owenöwer) grob und fein, mit einer beleimten ®(limmen) Filz- oder Lappenscheibe. Die Innenseite wird auf einem mit Schmirgel beleimtem Riemen bearbeitet, der auf der linken  Seite über die treibende Scheibe und auf der linken Seite über einen beweglichen   Mitläufer geführt wird. Der O. muss den Schleifriemen immer wieder auf- und abwerfen, durch 3-5 Scherenaugen führen und auf den Läufer auflegen,  den er mit dem Fuß hin und her schiebt und somit in Spannung bringt. Er  bewegt und dreht die Scherenaugen durch das rotierende Band. Augenpliesten ist eine sehr staubige und schmutzige, jedoch auch mit Recht eine rel. gut bezahlte Arbeit.

Ouler,  Söller, Hahnehöülter: (Speicher, Dachkammer) Der O. ist der Raum, welcher sich direkt unter dem Dach befindet. Die schräge Decke des O. hat den gleichen Winkel wie das Dach und wird oftmals als Rumpelkammer genutzt, in der ®(aulen Brassel) aufbewahrt wird.. Das Gebälk des Daches wird als „Hahnehöülter“ bezeichnet.

Oulerschkamer: (Speicherkammer) Wird in Fachwerkhäusern meist als Rumpelkammer aber auch als zusätzlicher Wohnraum genutzt.

Oulerschkamer Fabrikant: Scherzhafte Bezeichnung für einen Selbständigen, jedoch rel.. kleiner Fabrikant, für dessen Geschäftsstelle eine Oulerschkamer ausreichen würde.

Öwerdeïl: (Oberteil) Beim Schmieden, Stanzen, Prägen, Spalten, Lochen usw. ist das Ö. das obere bewegliche Werkzeug.

Öwergrawen: (Obergraben) Durch den Ö. fließt das Wasser vom Stauwehr oder dem Teich zum Wasserrad.

öwerhangen: (überhängen) Wenn beim Taschenmesser der Rücken der geöffneten Klinge über die Feder hinausragt, wird das mit ö. bezeichnet, was bei guten Qualitäten nicht sein darf.

Öwersidd: (Oberseite) rechte Seite ®(reite Sitt)

owen, ongen: (oben, unten) Beim Taschenmesser ist oben immer die Seite, an der die Hauptklinge, der Kniep angebracht ist.

Owen: (Ofen).

owenöwer pliesten: (obendrüber pliesten).

Owespiepe: (Ofenrohr) Man hatte, als noch mit Holz, Kohle oder Briketts geheizt wurde, ein möglichst langes Ofenrohr, vor allem in den Werkstätten, um Wärmeverluste zu vermeiden.

Oweshoken: (Ofenhaken) Der alte Kohleofen war mit einer Stahlplatte abgedeckt, die am Rand eine ca. 5x10 mm große Öffnung hatte. Am Oh., ca. 200 mm lang, war vorne eine stumpfe aber leicht gebogene Spitze angebracht. Hiermit konnte man die Platte zur Befeuerung anheben. Man entfernte auch hin und wieder die Platte, um auf die Öffnung einen Kochtopf in entsprechender Größe aufzusetzen. In direktem Kontakt mit dem Herdfeuer wurde die Erhitzung beschleunigt.

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