Woerterbuch.jpgAusdrücke, Werkzeuge, Tätigkeiten, Hilfsmittel und Bezeichnungen in Solinger Platt aus der Schneidwaren-Industrie
gesammelt und erklärt von August Scheidtmann

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Buchstabe N


Naal, Nääl: (Nagel, Nägel) Bez. für die Nieten und Stifte, die für Schneidwaren verwendet werden. N. werden aus Eisen, Messing oder Neusilber gefertigt, in Durchmessern zwischen 1 u. 7 mm. Obwohl Scheren meist mit einer Schraube versehen sind, spricht man auch hier von Nägeln.

Naalfill: (Nagelfeile) Flexible Nagelfeilen werden aus Bandstahl ausgestanzt und auf der Haumaschine mit einem kreuzweisen oder oft dreifachem Nagelhieb versehen. Die Haumaschine hat einen sehr schnell tackernden Meißel, der mit einem automatischen Vorschub über die Feile geführt wird. Nach dem Härten werden die N. an den nicht gehauenen Flächen gepliestet und poliert.

Feilen, die der Reider in Taschenmesser montiert, werden meist im Gesenk geschlagen und ähnlich wie o.a. weiter verarbeitet

Naalhau: (Nagelhau, Nagelhieb) Einkerbung an den Taschenmesser-Teilen, die das Öffnen mit dem Daumennagel ermöglicht.

Naalschart: (Nagelscharte) Befindet sich der Nagelhau einer Taschenmesser-Klinge unterhalb der Erlkante und ist somit  mit  dem  Daumennagel  nicht  zu  fassen,  wird etwas Platz mit einem N. gemacht, indem man in den Erl eine Mulde einfräst.

Naalschartsrädschen: (Nagelscharts-Rädchen) Kleiner Fräser, mit dem am gereideten Messer ein Nagelschart an- gebracht wird.

Naalscher: (Nagelschere) Meist aufgebogene ®(opgebogene Scher), den Fingernägeln angepasste, gerundete und sehr kurze Scherenblätter. Man kauft N. entweder lose oder als Teil deines Manikure-Etuis. Die Herstellung der N. erfordert große Fachkenntnis und  Geschicklichkeit des Härters, Schleifers und Naglers.

Naaltang: (Nagelzange) Die Halme und somit die Schneiden werden durch eine Feder geöffnet, wodurch der Gebrauch erleichtert wird. Die Schneiden werden durch die nach innen gerundete Form den Nägeln angepasst. Die N. ist besonders kräftig und eignet sich besonders für die Nägel an den Zehen. Im Gegensatz zur Nagelschere gehen die Schneiden nicht aneinander vorbei, sondern aufeinander. Um die N. geschlossen zu halten, ist oft am Ende der Halme ein Verschluss in Form eines beweglichen Kläppchens ®(Kläppken) angebracht.

Naaltangenfiller:  (Nagelzangenfeiler) Der N. sorgt bei der Nagelzange für den einwandfreien Schnitt. Er feilt die beiden Schneiden so zurecht, dass man bei geschlossener Zange einen feinen Spalt sieht, wenn man sie gegen das Licht hält. Dabei müssen die beiden Spitzen der Schneiden absolut dicht sein. Nun werden die Schneiden mit der Feile mit spitzem Winkel scharf gefeilt. Der N. spannt die Nagelzangen bei seiner Arbeit in eine in den Schraubstock gespannte Holzklemme.

naate Steïn: (nasser Stein) Oberhalb des Schleifsteins ist ein Wasserhahn angebracht, aus dem während des Schleifens Wasser herausrieselt. Das Wasser kommt entweder direkt aus der Leitung oder bei fehlendem Anschluss aus einem Behälter, der hin und wieder nachgefüllt wird ®(Schliepsteïn).

naatschliepen: (nassschleifen) Klingen- oder Scherenblätter, die blank sowie dünner geschliffen werden, können nur auf dem nassen Stein bearbeitet werden. Die Zufuhr von Wasser dient der Kühlung, da beim Schleifen eine große Reibungswärme entsteht. Die Wärme kann beim Trockenschleifen so ansteigen, dass die Werkstücke blau anlaufen.. Hierbei können Anlass-Temperaturen erreicht werden, wodurch die geschliffenen Teile an Härte verlieren. Die Schleifer von  langen Messern benutzen besonders große Schlefsteine. (bis 2,50 m Durchm.) Sie schützen sich vor dem Wasser an den Füßen mit den Fußblotschen und die Schienbeine und Knie mit den Knieblotschen. Diese aus Holz gefertigten Kästen werden über die Knie bis zu den Knöcheln gestülpt. Sie dienen dem Schleifer auch als Auflage und Druckpunkt für das Schleifholz ®(Oortspoon), ®(Langmetzerschlieper).

neelen: (nieten, nageln) Mit n. bezeichnet man das Vernieten von Stiften und Nägeln.

Neelhamer: (Niethammer, nageln, nieten) Bez. für einen  50-200g schweren Hammer. Die Kopfseite des N. ist entweder glatt oder ®gefuhrt.

Nocken:  Beidseitiger Vorsprung an Achsen oder Wellen von Wasserrädern, Schleif- oder Plieststellen. Der N. läuft in einem Lager, das die Schleifer früher selbst herstellten, indem sie verflüssigtes Blei in das sog, ®Pölf gossen.

Nockenfett: (Nierenfett, Rindertalg) Hiermit wurden die Achsen geschmiert, indem man ein Stückchen N. auf  den Nocken legte, was sich durch die Wärmeentwicklung zu Schmieröl auflöste. N. wird  heute noch beim Pliesten verwendet. Der Schleifer drückt hin und wieder ein Stück N. auf die Pliestscheibe, was sich durch die Reibungswärme verflüssigt. Hierdurch werden die Poren zwischen den Schmirgelkörnern offen gehalten. Die Scheibe schneidet besser und gleichzeitig verringert sich die Reibungswärme.

nohkieken, nohsenn: (nachschauen, nachsehen) Bez. für die letzte Kontrolle vor allem an Scheren, Taschenmessern, Rasiermessern, sowie Haut- und Nagelzangen.

Noteboumhoult: (Nussbaumholz) Wird hin und wieder zur Beschalung von Taschen- und Arbeitsmessern verwendet.

Nöüselwer: (Neusilber) Legierung wie Messing aus Kupfer und Zink, jedoch zusätzlich mit einem Anteil von 10-25% Nickel. Hierdurch ist N. wesentlich beständiger gegen Korrosion. Darum wird zur Fertigung  von Taschenmesser-Backen N. verwendet.

Für die Herstellung von Besteckteilen wie z. B. Löffel oder Gabeln wird ebenfalls N. verwendet, was in diesem Bereich Alpaka genannt wird.


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