Woerterbuch.jpgAusdrücke, Werkzeuge, Tätigkeiten, Hilfsmittel und Bezeichnungen in Solinger Platt aus der Schneidwaren-Industrie
gesammelt und erklärt von August Scheidtmann

A | BC | D | E | F | G | H | IJK | L | M | N | O | PQ | R | S | T | UVW | XYZ



Buchstabe H


Haarhuser u. Vierscharp: (Haarhauser u. Vierscharf)  Bez.  für  Schmirgel, der recht grob gemahlen ist. Die Körnungen entsprechen  in etwa Korn 80-180 (Anzahl der Körner auf 1 cm2) auf heutigen Schleifbändern.

Hackmetz: (Hackmesser) Messer mit breiter Klinge (ca. 8-9 cm) und kräftigem Griff, mit dem der Metzger auf dem Hauklotz Fleisch und Knochen zerteilt.

Häcker: (Hackhammer) Richthammer des Härters für gehärtete Klingen oder Scherenbecken, die sich beim Abschrecken verzogen haben. Beim H. ist  auf einer oder beiden Seiten ein sehr hartes Stahlstück eingesetzt, das keilförmig und scharf angeschliffen ist. Mit gekonnten Schlägen lassen sich hiermit gehärtete Klingen richten, ohne zu zerspringen.

Selbst geschliffene Klingen können notfalls mit dem H. gerichtet werden. Allerdings müssen die Häckerschläge durch Nachpliesten mühsam entfernt werden.

härden, Härder: (härten, Härter) Gestanzte oder geschmiedete Werkstücke aus Stahl sind zunächst noch weich, d.h. man kann sie feilen, bohren, hobeln, drehen, sägen usw.

Schneidwaren  benötigen eine große Härte, um eine lange Schnittfähigkeit zu gewährleisten. Beim Härtevorgang wurden früher die Klingen, Scheren, Rasiermesser und auch Federn für Taschenmesser über dem Schmiedefeuer ®(Schmettenführ) erhitzt. (je nach Stahl 700-1000°C) Heute geschieht das im Elektro- oder Gasofen. Die Härte wird erzielt, indem man die Werkstücke nach dem Erhitzen abschreckt, d.h. in kaltes Wasser oder Öl taucht. Anschließend  werden die Teile  noch angelassen, ®(ahnloten) um sie von der sog. Glashärte zu befreien.

Härttang: (Härtezange) Bis zu 1,5 m lange Greifzange, um den Härteofen zu bedienen und die erhitzten Werkstücke abzuschrecken.

Hahneköpper: (Hahnenköpfer) Von alters her gibt es in Solinger Hofschaften H.-Vereine. Hierbei wird ein vorher getöteter Hahn so in einem unten offenen Weidenkorb befestigt, dass der Kopf des H. unten heraus hängt. Die Teilnehmer werden nun mit verbundenen Augen an den Korb herangeführt, und sie versuchen, mit einem Schwert den Kopf des H. abzuschlagen. Wer das zuerst schafft, ist in diesem Jahr König der H. Anschließend wird ein großes H.-Fest gefeiert, mit Essen, Trinken, Verlosungen, Musik und Tanz und natürlich Singen, da zu den vielen eingeladenen Vereinen auch die Sangesbrüder gehören.

halfpoliert: (halbpoliert)  2. Qualität ®(ganzpoliert)

Halm: (Halm) Teilbereich der Schere zwischen Gang und Augen. Es gibt sehr viele Benennungen, wie z.B. Rund-, Polsche-, Batzen-, Stippel-, Schließ-, Flaschen-, Schlüssel- sowie verkehrter- und gerader Halm.

Halsafschnieder: (Halsabschneider) Ist jemand, der seinen Gegenüber übervorteilt und ihm keine Luft zum Atmen lässt.

Hamer: (Hammer) Hämmer gibt  es in vielen Variationen, die jeweils in Form, Gewicht und Größe dem Verwendungszweck  angepasst sind.

Hamerschlag: (Hammerschlag) ®Bast

Hamerstock: (Hammerstock) Das Fundament von Fall- und Schmiedehämmern, das je nach der Schwere des Hammers recht tief in den Boden eingelassen wird.

Hangkarbeït: (Handarbeit) Viele Arbeitsgänge werden auch heute noch  in H. ausgeführt. Beim Schmieden, Schleifen, Reiden, Ausmachen , Abziehen und anderen Tätigkeiten gibt es oft Arbeiten, die sich  auf der Maschine nicht machen lassen.

Hangkgeschmedden: (Handgeschmiedete) Ein Verein von Heimatdichtern, 1951 gegründet, der sich um die Erhaltung  der Solinger Mundart sehr verdient gemacht hat. Poesie und Prosa in „Soliger Platt“ werden regelmäßig in den Solinger Zeitungen veröffentlicht, sowie einmal im Jahr im  Stadttheater vorgetragen.

Hangklanger: (Handlanger)

Hangkschrüffken: (Handschraubstock) Kleiner Schraubstock, der beim Gebrauch mit einer Hand gehalten wird.

Heïmarbeïder: (Heimarbeiter) Früher gab es in Solingen viele Tausende H. in fast allen Schneidwaren-Berufen. (wie Härter, Schleifer, Reider, Ausmacher, Scherennagler u.v.a.) Der H. hatte oft an seinem Fachwerkhaus eine Werkstatt, ®(Schmette) ®(Kotten) wo er selbständig  seiner Arbeit nachging. Die Messer, Scheren und viele andere Artikel  wurden bearbeitet, waren aber Eigentum einer entsprechenden Firma. Es gab auch Heimarbeiter, die im Betrieb des Arbeitgebers ein Schleifstelle oder kleine Werkstatt gemietet hatten.

Die Entlohnung wurde nach den Abmachungen im ®Priesverzeïchnis berechnet und im ®Entgeltbook verzeichnet. Heute gibt es nur noch wenige Heimarbeiter.

Heïsterbeïl: (großes Beil, Axt) (Heïster=Buche)

heït: (heiß) heïte Koffie, Melch (heißer Kaffee, heiße Milch)

Heïht, Grep: (Heft, Griff) Bez. für Messergriffe, die aus vielerlei Materialien bestehen können. Wie z.B. Holz, Leder, Knochen, Hirsch- u. Bunthorn ®(Bongthorn), Perlmutt, Elfenbein, Schildpatt, Zelluloid, Plastik und Metall.

Heïterkniep: (Heftekniep) Einfaches, großes, 1 klingiges Taschenmesser, ®(Kniep) meist mit Holzschalen und Backen, in das eine nur vorgeschliffene Klinge eingebaut wurde. Das  Feinpliesten geschah im fertigen gereideten Messer. Auf diese Weise konnten die Messer etwas preiswerter hergestellt werden.

hengen, derhenger: (hinten, dahinter)

Hengerschten, Fott, Föttschen: (Hintern, Po) „Mir deït dat Föttschen wieh!“ sagte der Schleifer, wenn er lange am Stein gesessen hatte.

Hippe: (Ziege) Viele Solinger hatten früher hinter ihrem Häuschen einen Baumhof, und so lag es nahe, sich eine Ziege zu halten. Die H. hielt die Wiese kurz, gab sogar noch Milch und konnte irgendwann geschlachtet werden.

Hippekniep: Meist einteiliges, kräftiges Taschenmesser in verschiedenen Größen, mit Holzschalen und ®Rosetten. Die Klinge hat die Form eines Schlachtmessers, also mit geradem Rücken und in Richtung Spitze mit gerundeter Wate.

Hirschhorn: Die jährlich vom Hirsch abgeworfenen Stangen werden oft zur Herstellung von Griffen oder Schalen für Fahrten-, Jagd- und Taschenmesser sowie Tranchierbestecke verwendet. Hierzu werden die Stangen auf die benötigte Länge abgesägt. Die schönen Kronenstücke am Anfang des Geweihs werden als Rundgriffe für Tranchierbestecke und Stiletts verwendet. Während man für bestimmte Fahrtenmesser ebenfalls Rundgriffe benötigt, müssen für Taschenmesser die Stangenstücke der Länge nach gesägt werden. Diese Arbeit an den gekrümmten Stücken erfordert sehr viel Erfahrung, um die gewünschten Maße der Schalen zu erzielen. Sie werden vom Taschenmesser-Reider eingeweicht, kurz aufgekocht, im Schraubstock mit der Flachzange gebogen  an der Luft getrocknet, sowie  dünn- und plangeschliffen. Anschließend werden sie auf Länge gesägt und auf  der Dreispindel Bohrmaschine gebohrt. Nunmehr erfolgt die Befestigung der Schalen an den ®Erlen. Das geschieht mit Hilfe von dünnen (meist 1,6 mm) Rundkopf-Stiften aus Messing oder Neusilber, die anschließend abgekniffen und vernietet werden.

Hoddel: (Lappen) Bez. für einen ®Polierlappen auch Schwabbelscheibe genannt.

hoddelige Arbeït: (schlechte Arbeit)

Höhlung: Die H. am Rasiermesser wird beim ®Hohlschliff erzeugt, mit einer Lehre gemessen, und in Zoll angegeben. Die Maße liegen zwischen 1/8 und 1/1 Zoll. Einbuchtungen an Taschenmesserfedern, Backen und Heften, die abgerundet sind, werden H. genannt.

Hötte: (Ecke eines Raumes)

Höttendrieter: (Eckenscheißer)  Mit einem Höttendrieter wird eine Katze bezeichnet, die nicht stubenrein ist.

Hohldroht: (Hohldraht) Ein selten verwendeter Stift (Niet) für Taschenmesser, der aus dünnem Blech zu einem Röhrchen verarbeitet wird, und durch das  am fertigen Messer ein weiterer noch dünnerer Stift gesteckt wird. Hier kann dann ein ®Böügel befestigt werden.

Hohlen  em:  ®(em Hohlen)

hohldröcken: (hohldrücken) In Erle von Taschenmessern wird auf der Schalenseite mit der ®Knippe oder Exzenterpresse eine längliche Delle eingedrückt. Hiermit erreicht der Reider, dass die Schalen rundum einwandfrei am Erl anliegen.

Hohlschliff: Der Rasiermesserschleifer hat zum Anbringen des H.,  eine große Anzahl von sehr kleinen Schleifsteinen und Pliestscheiben in unterschiedlicher Größe, deren Durchmesser in Zoll angegeben wird. Durch den H. erhält die Schneide ®(Wate) eine große Elastizität aber auch Stabilität, welches die Voraussetzung für einen erstklassigen Schnitt ist.

hohl Sitt: (hohle Seite) ®em Hohlen

Hokenfeder: (Hakenfeder) Die Funktion der H. am Taschenmesser ist die gleiche, wie die der ®(Koppfeder), mit dem Unterschied, dass sie kein zweites Loch hat. Dafür wird der Haken auf den Nagel aufgelegt.

Höüpe:  (nen Houpen, en Masse, völl, kestenwies, mieh wie genog(Geild ). Mit diesen Ausdrücken wird in Solingen eine größere Menge bezeichnet.

Hoorscher: (Haarschere) Das wichtigste  Werkzeug des Friseurs. Die Herstellung erfordert höchste Präzision, denn selbst der kleinste Fehler macht sie unbrauchbar.  

Hornfill: (Hornfeile) Bez. für eine Feile, die sich vorzüglich zum Bearbeiten von Horn eignet. Sie hat nicht den ansonsten üblichen Kreuzhieb, sondern nur einen recht groben Schräghieb.

Hornmehl: Beim Bearbeiten wie sägen, fräsen und schleifen von Bunt- und Hirschhorn anfallende Späne. H. ist für Gartenliebhaber als natürliches Düngemittel sehr begehrt, da es einen hohen Anteil Phosphor enthält.

Hoult: (Holz) Viele Arten von H., wie Buchen-, Kirsch-, Birnen-, Pflaumen-, Nuss-, Eben-, Rot-, Rosen- und Jackerandaholz spielt in der Solinger Industrie eine große Rolle. Es wird verwendet für Hefte von Küchen-, Haushalts-, Berufs- und Kochmessern, sowie Beschalungen von Taschenmessern.

Houltwoll: (Holzwolle) Wurde früher als Füllmittel beim Versand von Schneidwaren verwendet. Heute wird H. durch Material aus Plastik ersetzt.

Hülsenscher:  (Hülsenschere)  Spitze kleine Schere, auf die eine Hülse zum Schutz aufgestülpt wird. An der Hülse ist eine kleine Nagelfeile mit Nagelreiniger befestigt. Die Hülse wird auf die Spitze der  Schere aufgestülpt. Durch diesen Schutz ist es möglich, die Schere in der Tasche zu tragen.

huh Nääl:  (hohe Nägel) Hochstehende, mit dem ®Döpper abgerundete Nägel. (Nieten). Taschenmesser, die mit Toledo- echt oder falsch Hirschhornschalen versehen sind, sowie  Kastenmesser die nicht ausgemacht werden, bekommen hohe Nägel.

huh Sieden: (hoher Seidener) Ein hoher, dunkler, seidener Hut, der ein Teil der Solinger Schleifertracht war.

Huoftang: (Hufzange) Kopfzange, gut zu verwenden zum Herausziehen alter Nägel.

Husdier: (Haustier) Höng (Hunde), Katzen, (Kaninn), Kaninchen, Höhner (Hühner mit Hahn), Kanallienvögel (Kanarienvögel), Duwen (Tauben), Schöpe (Schafe) und Ziegen, ®(Hippen), sowie insbesondere Bienen ®(Eïmen) waren früher und sind z.T. heute noch sehr beliebt in Solingen.

Hüsken: (Häuschen) En eigen H. te hann, das war auch früher schon der Traum vieler Heimarbeiter. Dazu gehörte dann vor allem ein ®Kotten oder eine ®Schmette, die in der Nähe des H. stehen musste, sowie, wenn möglich, ein Garten oder Baumhof und dazu die üblichen Haustiere. Um ihr H. schuldenfrei zu bekommen, schufteten Menschen oft bis ans Ende ihres Lebens, was damals im Durchschnitt wesentlich kürzer bemessen war, als heute.

Als H. wird auch die Toilette bezeichnet, die früher eigenständig, als Holzhäuschen mit einem Herzchen in der Tür, etwas abseits vom Wohnhaus stand. Es versteht sich von selbst, dass es hier keine Wasserspülung gab. Die entstehenden Fäkalien wurden als Dünger im Garten verwendet.

Hutmetz: (Hautmesser) Neben ®Naalscher, ®Naaltang, ®Naalfill und Pinzette Teil des Manikür-Etuis.

Hutscher: (Hautschere) Sehr  spitze, schmale und meist aufgebogene Schere, mit der sich auch kleine Hautpartikel abschneiden lassen. Auf Grund ihrer Feinheit benötigt die  Herstellung der H. für  Härter, Schleifer und Monteur große fachliche  Fertigkeit.

Huttang: (Hautzange) Im Gegensatz zur Hautschere, bei der die beiden Becken aneinander vorbei gehen, bewirken bei der Hautzange die Becken ihren Schnitt, indem sie aufeinander treffen. Zudem besitzt die H. meist eine umlegbare Feder, die bewirkt, dass die Zange beim Gebrauch geöffnet ist.


Suche

Wichtig, bitte beachten!

mehr