Woerterbuch.jpgAusdrücke, Werkzeuge, Tätigkeiten, Hilfsmittel und Bezeichnungen in Solinger Platt aus der Schneidwaren-Industrie
gesammelt und erklärt von August Scheidtmann

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Buchstabe E


Eïkenhoult: (Eichenholz) Wird als Heft für Schneidwaren kaum verwendet. Ansonsten sehr hartes und wertvolles Holz.

Eïmen: (Immen, Bienen) In Solingen ist die Bienenzucht von jeher sehr beliebt. Dabei ging es nicht nur um den Honig, sondern auch um die Bestäubung von Gartenpflanzen, insbesondere Obstbäumen, da viele Solinger  in einem Bergischen Fachwerkhaus wohnten, wozu meist ein Garten oder Baumhof  (Bongert) gehörte.

Elfenbeïn: Für Hefte von  wertvollen Rasier- und Taschenmessern wurde früher oftmals Elfenbein verwendet. Aus Gründen des Artenschutzes ist die Verarbeitung von E. vernünftigerweise nur mehr streng legitimiert gestattet.

em Dengen: drinnen, in der Wohnung, en der Schmette. Gs. (terbutten) draußen, vor der Tür.

em Hohlen: (im Hohlen) Auch (hohl Sitt) bez. Das Blatt auf der Innenseite einer Schere. An dieser Stelle ist das Blatt tatsächlich etwas hohl, bzw. verdreht. Damit ist sicher gestellt, dass sich beim Schnitt der Ober- und Unterbeck immer nur an einem Punkt berühren.

em Töschen: (im Zwischen) Die Stelle, auf der Innenseite der Schere, neben dem Drehpunkt und dem Beginn des ®Halms.. Um unnötige Reibung der beiden Becke zu vermeiden, wird hier vom Schleifer oft eine kleine Kulle  eingepließtet, wobei der gut sichtbare Halbmond entsteht. Em Töschen wurden früher die Markierungen für das ®Paarteïchnen gesetzt.

enbleïen: (einbleien) Tätigkeit des Einsteckreiders. Bei Tischmessern bestehen die Metallgriffe oftmals aus zwei Teilen, die zusammengeschweißt, innen hohl sind. Hierzu passend hat die lose Klinge an der Griffseite eine Art Stiel ®(Spetzerl). Um beide Teile zusammen zu fügen, stehen die Hefte aufrecht in einer Halterung. Der ®Enstekreïder füllt zunächst trockenen Sand und gießt anschließend flüssiges Blei in die Öffnungen und  steckt den Erl hinein. Nach dem Erkalten sind Erl und Klinge fest verbunden.

eneïn maken: (zusammen fügen) Hierunter versteht der Reider die  Montage des Taschenmessers. (tesamen maken)

Englisch ronk: (Englisch rund) Der Ausmacher ®Utmäker von Taschenmessern pliestet die Schalen entweder hoch- oder flachrund. Bei Englisch rund sind die Flächen der Schalen flach, während die Kanten abgerundet sind.

enölen: (einölen) Alle Schneidwaren, die aus Normalstahl gefertigt sind, müssen nach der Fertigung eingeölt werden, um das gefürchtete Rosten zu verhindern.

enrollen: (einrollen) Eine andere Art  Pliestscheiben zu beleimen ®(limmen). Hierbei wird die Scheibe mit zähflüssigem Leim dick bestrichen. Dann wird grober Schmirgel auf einen Bogen Papier geschüttet und etwas verteilt. Die Scheibe, mit dem leicht angetrockneten Leim, wird mit festem Druck auf dem Schmirgel gewälzt, so dass dieser haften bleibt. Nach mehreren Stunden Trockenzeit ist die Pliestscheibe gebrauchsfertig.

Ensatz: (Einsatz) An Taschenmesserklingen der Übergang zwischen Schneide und ®Gang. Bei der Schere befindet sich der E. zwischen Gewerbe und Blatt.

ensteken, enharzen: (einstecken, einharzen) Tätigkeit des Einsteckreiders.

Enstekreïder: (Einsteckreider) Klingen Tischmesserklingen, Löffel, Gabeln, Nagelfeilen, Tanchierbesteck usw. die einen Spitz- oder Stupperl haben werden vom E. gereidet. Hierzu werden die Griffe aus Holz, Knochen, Hirschhorn, Perlmutt mit einer 3-5 mm großen Bohrung versehen. Oftmals wird eine Zwinge ®(Tweng) verwendet, um eine schöne und saubere Verbindung zwischen Erl und Heft zu erzielen. Um beide Teile miteinander zu verbinden, werden die Hefte in einer Halterung aufrecht aufgestellt und mit einer Zwinge versehen. Der Reider gießt erhitztes und somit verflüssigtes Harz , mit Kalk vermischt, in die Bohrungen und steckt dann die Erle hinein. Nach dem Erkalten sind die Teile fest verbunden. Der Arbeitsablauf ähnelt dem des ®Enbleïens.

Ensteller: (Einsteller, Vorarbeiter) Die Maschine (z.B. Bohr- oder Schleifmaschine, Exzenterpresse) wird vom Fachmann so eingestellt, dass der hier Beschäftigte die Werkstücke sicher und gefahrlos anschlagen kann.

Entgeltbuok: (Entgeltbuch) Arbeits- und Lohnnachweis für Heimarbeiter, in dem Preise und Stückzahlen der gelieferten Ware, sowie Abzüge für Sozialversicherungen und Steuern festgeschrieben werden. Vergütungen für Urlaubs- und Feiertage werden ebenfalls im E. eingetragen.

Erl: Wenn Messer mit Beschalung versehen werden, ist diese am E. befestigt. Bei Brot- und Küchenmessern spricht man von ®Platterlen, die in der Regel 3 Löcher aufweisen, durch welche die Schalen mittels Stiften befestigt werden.

Tischmesser, Steakmesser, Tranchier- Tischmesser und Gabeln werden oft mit Spitz- ®(Spetzerl) oder ®(Stupperl) gefertigt.

Bei Taschenmessern gibt es eine Vielzahl von Erlen, die sich in Größe und Form unterscheiden. Es gibt  Ei-, S-, konische-, gerade-, Puckels-, Pöppkes-, Hahnenkopf-, Gärtnererle und noch viele andere, die  aus Eisen, Messing oder Neusilber gefertigt werden, mit einer Materialstärke von ca. 0,5-1,5 mm. Für ein Tm. werden mindestens zwei E. benötigt: Am rohen Erl ist die äußere Form des fertigen Tm. vorgegeben und zu erkennbar.. Die Erle sind das stabile Gerippe des Taschenmessers und besitzen die entsprechenden Löcher für die Aufnahme der Nietstifte. Rasiermesser werden meist ohne Erl gefertigt. Hierbei ist die Klinge unmittelbar an den Schalen befestigt.

Erne Mutz:  Kurze Tabakpfeife, die mit ®schwartem Dorps gestopft, sehr beliebt war; konnte man sie doch wegen ihrer Kürze auch während der Arbeit im Munde behalten.

Esse: Offenes, von allen Seiten zugängliches Schmiedefeuer mit einem Abzug. Hier können Temperaturen von bis zu 1400°C entstehen. Das Feuer wird mit Kohlen oder Koks erzeugt. Die notwendige Sauerstoffzufuhr erfolgt durch ein unter der E. angebrachtes Gebläse. Früher wurde Sauerstoff mit einem fußbetriebenem Blasebalg zugeführt.

Ewenhoult: (Ebenholz) Schwarzes Holz, welches früher für teure Oculiemesser verwendet wurde. Da E. sehr hart ist, lässt es sich schwer verarbeiten aber sehr gut polieren.

Exzenterpresse: Bei der E. wird eine drehende Bewegung in einen senkrechten oder seitlichen Hub umgewandelt. Auf leichten E. werden Werkstücke gekörnert, gelocht, gezeichnet, verformt, gebogen, gerichtet sowie ab- und durchgeschnitten. Schwere E. werden benutzt , um Klingen, Federn, Erle und geschmiedete Teile (Scheren, Taschenmesserklingen, Rasiermesser usw.) auszustanzen.


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