Woerterbuch.jpgAusdrücke, Werkzeuge, Tätigkeiten, Hilfsmittel und Bezeichnungen in Solinger Platt aus der Schneidwaren-Industrie
gesammelt und erklärt von August Scheidtmann

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Buchstabe D


Daler: (Taler) Alte deutsche Münze bis 1908. Bis zur Einführung des Euro wurden in Solingen drei Mark als D. bezeichnet.

damaszieren: Wertvolle Solinger Artikel werden öfter mit einer Damaszierung versehen. Es ist eine kunst-handwerkliche Tätigkeit, die schon im Mittelalter gepflegt wurde. Das D. geschieht mit Hilfe einer Säure, wobei Ornamente oder Schriften in das Metall gebeizt werden. Die Wirkung der Säure beschränkt sich auf die Stellen, welche nicht durch eine Lackschicht geschützt sind. Bei besonders wertvollen Schneidwaren (Sammlermesser, Tranchierbestecke), wird die Ätzung durch längere Einwirkung der Säure besonders tief gemacht. Der Damaszierer hat hierdurch die Möglichkeit, die Vertiefungen farbig einzulegen, wodurch besondere Effekte erzielt werden.  Vor dem eigentlichen Ätzvorgang ist eine große künstlerische Geschicklichkeit des D. die Voraussetzung, die vorbereitende Zeichnung zu entwerfen.

Die gesamte Ritterausrüstung im Mittelalter,  wie Schwert, Spieß, Helm, Harnisch, und Hellebarde wurden künstlerisch und reich damasziert.

Ein beredtes Zeugnis dieser alten Handwerkskunst ist in den Solinger Museen „Schloss Burg“  und „Deutsches Klingen Museum“ zu bewundern.

Damaststahl: (Damaststahl) Für die Fertigung besonders wertvoller  Schwerter wurde früher von den Schmieden D. in Handarbeit hergestellt. Dazu wurden Vierkantstangen aus hartem (kohlenstoffarm) und weichem (kohlenstoffreich) Stahl mehrfach übereinander geschmiedet, gefaltet und dadurch verschweißt. Nach dem Härten und Schleifen wurden die Schwerter mit Säure behandelt, wodurch auf den Klingen gut sichtbare Linien und Ornamente entstanden. Die Sage erzählt, dass mit einem solchen Schwert der Kopf eines Nagels, der in einem Eichenbohlen steckte, abgeschlagen werden konnte. War keine Kerbe in der Schneide zu sehen, hatte das Schwert seine Qualitätsprüfung bestanden.

Darhäuler: (Darhalter) Am Fallhammer wurde bei bestimmten Werkstücken  neben dem Schmied eine zweite Person benötigt. Der sog. D. bediente den Schmiedeofen und hielt die glühenden Spaltstücke unter den Fallhammer. Hierdurch konnte sich der Schmied voll auf das Schmiedens konzentrieren. Die Stückzahlen der geschmiedeten  Teile erhöhte sich, und der Schmiedehammer war besser ausgelastet.

Deckde: (Dicke) Hiermit bezeichnet man die Stärke des Materials wie Stahl, Nichteisenmetall, Holz usw. aber auch von Stiften und Drähten.

derf fillen oder schliepen: (ebenmäßig, gerade feilen oder schleifen)

dertöschen: (dazwischen)

Deschbohrmaschinn: (Tischbohrmaschine)

Deschmätz: (Tischmesser) Teil des Tafelbestecks, im Sprachgebrauch auch ®(Schmermetz) genannt. Werdegang des D: Spaltstücke schneiden; Kröpfe im Gesenk schmieden (Rund-, Berliner-, Hohl-, Furchen-, Rillenkropf); Klinge ausbreiten; auf Form schneiden (deutsche, englische, französische Klinge); Eckstumpf auf ®Vierschlaghammer zum Spitzerl ausschmieden; Kropf ®(Kopp) mit Stirnfräser entgraten; zeichnen und härten, (®Teïchen, ®härden); schleifen ®(schliepen); reiden ®(Enstekreïder) D. können auch aus einem Stück im Gesenk geschlagen werden, sodass der Arbeitsgang des Reidens entfällt.

Diek: (Teich) Wenn der Kotten oder das Hammerwerk nicht an der Wupper, sondern an einem Bach betrieben wurde, musste ein D. vorhanden sein ®(Kotten).

diepe Schröm: (tiefe Schrammen) Schlecht gepliestete Klingen, bei denen nach dem Polieren noch tiefe Schleifschrammen zu erkennen sind.

dieper legen: (tiefer legen) Klingen am Taschenmesser, die mit ihren Spitzen nach der Montage etwas zu hoch liegen, werden tiefer gelegt. Das geschieht, indem von der Spitze der Gangwate etwas abgeschliffen wird.

Döpper: Niethilfe aus ca. 8 mm gehärtetem Rundstahl, die in den Schraubstock gespannt wird, und am oberen Ende eine Mulde oder Vertiefung aufweist. Hierdurch erhalten beim Nieten,  ansonsten flache Nägel, einen abgerundeten Kopf, ®(huh Nääl) genannt. Dieses Verfahren wird angewendet bei Rasiermessern, weil die Hefte vor dem Reiden schon ausgemacht werden. Bei Fahrten- und Taschenmessern werden die Nieten gedöppt, wenn die Beschalung aus imit. oder echtem Hirschhorn  besteht, sowie bei Taschenmessern mit geprägten Relief- oder  Toledoschalen.  Bei Scheren wird der D. benutzt, wenn sie mit einem falschen Nagel ®(falsche Naal) versehen werden.

Dollpleïd: Auf der ®Transmissiun eine lose, sich nicht drehende Scheibe. Der Schleifer hat die Möglichkeit bei laufendem Werk den Treibriemen etwas zur Seite auf die D. zu schieben. Hierdurch kann er seinen Schleifstein anhalten, um diesen evtl. mit einem anderen auszutauschen. Der nächste Ruck in die andere Richtung stellt die Drehbewegung wieder her.

Dreckplate: (Kehrblech) Mit dem dazugehörigen Handfeger. ®(Stöüwer)

Dreïkangtfill: (Dreikantfeile, Sägefeile) Die früheren Kreis- aber auch Handsägen, wurden meist für Holz und andere weiche Werkstoffe verwendet. Sie waren so gehärtet, dass sie nach dem Gebrauch in den Schraubstock geklemmt und mit der Sägefeile nachgeschärft werden konnten. Die heute gefertigten Sägen sind so gehärtet, dass sie genau so hart wie eine Feile sind und sich nicht feilen lassen.

Dreïspindel-Bohrmaschinn: (Dreispindel-Bohrmaschine)

Beim Bohren von Heften ®(Heïter) für Taschenmesser sowie Brot- und Küchenmesser usw., können in einem  Arbeitsgang mehrere Löcher gebohrt werden, welches eine große Zeitersparnis bedeutet.

Drellbohrer: (Drillbohrer) Wird durch Handbetrieb in  wechselnde Rechts- u. Linksdrehung  versetzt. Der Taschenmesserreider hatte früher neben seinem Schraubstock einen D. angebracht, der aus einer Welle mit Bohrkopf und einer Antriebsscheibe aus Holz bestand. Die Scheibe wurde mit einer Art Flitzebogen links und rechts gedreht, der dazu auf und ab bewegt wurde.

Dröppelminna: (dröppeln = tropfen) Große Kaffeekanne aus Zinn mit vier Beinen und einem Zapfhahn. Meist reich verziert und künstlerisch gestaltet. Ein Utensil der Bergischen Kaffeetafel. ®(Bergisch Koffiedrenken)

Droht: (Draht) Wird in Ringen bezogen und in der  Solinger Industrie vielfältig verwendet Er ist aus Eisen, ®Messing oder ®Neusilber gefertigt und hat eine Stärke zwischen 1 und 5 mm. Der am Ring befindliche D. wird zu Stiften mit Spitze verarbeitet und dient als Niet für Gebrauchs- u. Taschenmesser. Für Beschalungen aus echtem und imitiertem Hirschhorn werden die Stifte zusätzlich mit einem Rundkopf  versehen.

Drohtbürschte: (Drahtbürste) Die herkömmliche Drahtbürste benötigt man u.a.  zum Reinigen von Werkzeugen, wie z.B. Feilen oder Fräsen. Darüber hinaus gibt es auch Schleifscheiben aus Holz, die mit mehr oder weniger harten Drahtborsten bestückt sind. Hiermit kann man an unbearbeiteter Rohware reinigende Wirkung ; oder  mit weichen Borsten , sogar eine gewisse Politur erzielen.

Drohtfeder: (Drahtfeder) Wird für Haut- und Nagelzangen gebraucht, und aus  leicht gehärtetem blankem Draht hergestellt.

Dropen,  Dröpken: (Tropfen, Tröpfchen) Mit „godem Dropen“ ist ein guter Tropfen Schnaps gemeint. Ein Dröpken Öl hingegen verbessert die Gleitfähigkeit vieler Werkzeuge.

dröwer, dronger:  (drüber, drunter)

Drügschliepen: (Trockenschleifen) Im Gegensatz zu ®Naatschliepen wird hier ohne Zufuhr von Wasser gearbeitet. Im übertragenen Sinne bezeichnet mancher Schleifer  mit D. die Situation, in der kein Schnaps o..Ä. zur Verfügung steht.

Drütiehner: (früher Fünfzigpfennigstück)

Dubbelbacken: (Doppelbacken) Wenn  beide Enden des Taschenmessers mit ®Backen bestückt sind.

Dubbelfeder: (Doppelfeder) Die D. an Taschenmessern hat in der Mitte eine Bohrung. An den beiden Enden wird je eine Klinge montiert. In der Regel oben Kniep und unten Federmesser.

Dürpel: (Steinplatte an der Schwelle des Hauses) Wurde früher häufig genutzt, um stumpf ®(stoump, schlie) gewordene Messer zu schärfen.

Dummenschart: (Daumenscharte) Aussparung am Griff von feststehenden Taschenmessern. Hierdurch wird Platz geschaffen für das Drücken und somit Lösen der arretierten Klinge.

Dutzend: (Dutzend) Von jeher werden vielfach die Stückzahlen in Solingen per D. angegeben. Viele Schneidwaren werden in bei der Auslieferung an die Kunden dutzendweise verpackt und auch berechnet. Die nächst größere Zahl sind 12 D. oder 1 Gros.

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